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Filmkritiken

Das Kinoereignis «Boyhood»

Wie das Leben so spielt

Der sechsjährige Ellar Coltrane als verträumter Schulbub Mason im Sommer 2002 zu Beginn der Dreharbeiten für die Langzeitbeobachtung «Boyhood»

Welche Rolle spielt es, ob man vor den Augen der ganzen Weltöffentlichkeit altert oder nur vor jenen des eigenen mehr oder weniger kleinen menschlichen Radius? Für Schauspieler ist diese Frage essenziell, und nicht jeder sieht es mit so humoristischem Gleichmut wie Jean Gabin, der einmal bemerkte: «Beim Film ist es wie im Leben: Man beginnt als jugendlicher Liebhaber, dann wird man Charakterdarsteller und endet als komischer Alter.»
In welchem Masse sich in der darstellenden Kunst die Fiktion des Rollenspiels und die Wirklichkeit der eigenen Existenz zu durchdringen vermögen und welches Kapital für die charakterliche Ausgestaltung von Figuren daraus geschlagen werden kann, ist kaum zu ermessen. Umso erstaunlicher ist es, dass nie zuvor jemand auf die formal so simple wie inhaltlich geniale Idee kam, die der amerikanische Regisseur Richard Linklater in seinem Werk umsetzt. Er hat eine ganz neue Kunstform geschaffen und mit seinem jüngsten Film «Boyhood» zur vollen Blüte gebracht: die fiktionale Langzeitbeobachtung. [ weiter ]

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